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Wie wir unsere Zweifel nutzen können?

Wir möchten die richtige Entscheidung treffen.

Schließlich geht es um unsere Zukunft, um die Zukunft unseres Unternehmens, oder um die Zukunft eines Menschen, der von unserer Entscheidung betroffen ist.

Doch was ist das Richtige?

Wir haben Angst, wichtige Aspekte zu vernachlässigen. Wir sorgen uns, nicht vorausschauend genug zu entscheiden. Wir denken, dass uns wichtige Informationen fehlen. Wir empfinden die Situation als Last. Wir zweifeln. Wir stecken in der Entscheidungskrise.

Was können wir tun? Wie können wir uns von der Last, die die Entscheidung in diesem Moment bedeutet, befreien?

Wir könnten weitere Informationen sammeln, wir könnten versuchen, unser Wissen zu erweitern. Wir könnten uns beraten lassen, oder aber auf Entscheidungsmuster zurückgreifen, die uns bisher, in ähnlichen Lagen, weitergeholfen haben. Wir könnten nach einem Geländer suchen, an dem wir uns festhalten können. Einem Geländer, das uns verspricht, uns aus der Krise herauszumanövrieren.

Mit den beiden Philosoph*innen Hannah Arendt und Jacques Derrida wird jedoch klar, dass wir auf etwas verzichten, wenn wir unsere Entscheidungen an Ratgebern, Routinen oder vorgefassten Entscheidungsmustern ausrichten. Mit ihnen wird deutlich, dass wir darauf verzichten, uns zu fragen, was wir selber wollen, sobald wir versuchen unsere Entscheidung im Vorhinein durch ein Geländer abzusichern.  

Arendt und Derrida sprechen davon, dass die Folgen einer Entscheidung unabsehbar und dass Entscheidungen damit letztlich unentscheidbar sind. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Wir können also gar nicht genügend Informationen sammeln, um uns einer Entscheidung wirklich sicher zu sein. Wir können nicht wissen, ob das altbewährte Entscheidungsmuster uns auch in diesem Fall wirklich weiterhilft. Wir können nicht davon ausgehen, dass uns ein Geländer zur richtigen Lösung führt. Möglicher Weise müssen wir schon in der nächsten Situation feststellen, dass wir nicht weiterkommen, dass wir auf unseren abgesicherten Pfaden keine Antworten auf neue, drängende Fragen finden.

Anstatt also zu warten bis wir die richtige Entscheidung gefunden haben, oder an etwas festzuhalten, das sich einmal bewährt hat, sollten wir das Entscheiden dafür nutzen, um uns zu befragen, was wir in dieser konkreten Situation selber wollen. Was ist es, das uns zweifeln lässt? Bleiben wir bei unserem Zweifeln, anstatt zu versuchen, ihm zu entkommen. Vielleicht merken wir, was unsere eigenen Anliegen sind. Diese könnten der erste Schritt dafür sein, in einen eigenen Prozess zu starten. Warum nicht diesen Anfang wagen? Wäre das wirklich riskanter? Warum sollten wir uns nicht auf unser Gespür verlassen und für diese Situation selbst eine passende, eine stimmige Entscheidung treffen?

Ob wir richtig liegen, können wir auch hier nicht wissen. Was wir aber wissen, wenn wir die Gelegenheit ergreifen, eine Entscheidung zu treffen, ist, dass wir als Person erscheinen, dass wir uns zeigen, dass wir einer Situation aktiv entgegentreten. Anstatt eine Entscheidung vor uns herzuschieben, oder sie aus den eigenen Händen zu geben, agieren und gestalten wir selbst. Auf diese Weise können Entscheidungen auch in unvorhergesehenen Situationen effizient und zielgerichtet getroffen werden.    

Halten wir uns nicht mit der Überwindung unserer Zweifel auf, sondern finden heraus, was uns in Atem hält. Nutzen wir das Potential und die Chance, die das Entscheiden bietet. Wecken wir in uns die Freude am Entscheiden.